Neues Kammerorchester Berlin mit Genevieve Eckel
Sonntag, 11.01.2026, 17:00 Uhr
Königin-Luise-Kirche Waidmannslust, Bondickstraße 14, 13469 Berlin ↗️
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Über die Veranstaltung
- Ethel Smyth: Streichquintett, Op. 1 (für Streichorchester arrangiert)
- Edward Elgar: Serenade für Streicher, Op. 20
- Giovanni Battista Pergolesi: Flötenkonzert in G, P. 33
- Ottorino Respighi: Antiche Arie e Danze, Suite Nr. 3
- Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7, Op. 92 (für Streichorchester arrangiert)
Dr. Roberta Michel, Flöte
Genevieve Eckel, Dirigentin
Neues Kammerorchester Berlin
Programm
Ethel Smyth: Streichquintett Op. 1
I. Allegro con brio
III. Scherzo – Allegro vivace
Ethel Smyth (1858–1944) zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der britischen Musikgeschichte: Komponistin, Vorkämpferin für Frauenrechte und eine der ersten Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Musikwelt durchsetzen konnten. Ihr Streichquintett Op. 1 gehört zu ihren frühen Werken und lässt bereits die unverwechselbare Handschrift erkennen, die später ihre grossen Chor- und Orchesterwerke prägen sollte. Klar strukturierte Formen, direkte Ausdruckskraft und ein moderner Umgang mit Rhythmus und motivischer Arbeit zeichnen das Stück aus.
Der Eröffnungssatz präsentiert ein energisches, akzentuiertes Hauptthema, das starke Kontraste zwischen lyrischen Nebenstimmen und kraftvollen Tuttipassagen entfaltet. Die orchestrale Fassung legt die kontrapunktischen Schichten offen, indem Motive verschiedenen Streichergruppen anvertraut werden.
Das Scherzo besticht durch sprunghafte Rhythmen, dynamische Brüche und eine freche, fast übermütige Energie. Ein kurzes Trio bildet einen gesanglichen Ruhepunkt, bevor die impulshafte Hauptidee wiederkehrt. Durch die Streicherbesetzung wird die Farbvielfalt besonders hörbar.
Edward Elgar: Serenade für Streicher, Op. 20
I. Allegro piacevole
II. Larghetto
III. Allegretto
Elgars Serenade für Streicher (1892) gehört zu den innigsten Werken seines Frühwerks. Sie ist geprägt von Wärme, schlichter Gesanglichkeit und feinen harmonischen Schattierungen. Die drei Sätze bilden einen ausgewogenen Spannungsbogen: ein freundlicher, offener Beginn, ein lyrisches, zutiefst empfindsames Larghetto und ein finales Allegretto voller Leichtigkeit und sanfter Nostalgie.
Elgar erzeugt eine charakteristische Mischung aus Transparenz und Wärme, indem er solistische Linien in homophone Streicherflächen einbettet. Kleine chromatische Wendungen verleihen der Musik emotionale Tiefe, ohne den intimen Grundcharakter zu verlieren.
Giovanni Battista Pergolesi: Flötenkonzert in G-Dur, P. 33
I. Allegro moderato
II. Adagio
III. Allegro spiritoso
Das Flötenkonzert in G-Dur wird traditionell Pergolesi zugeschrieben, auch wenn die musikwissenschaftliche Forschung die Autorschaft diskutiert. Stilistisch ist es ein Paradebeispiel für den galanten Stil: klare Form, vokale Melodik und eine elegante, schlanke Orchesterbegleitung.
Der dreisätzige Aufbau folgt dem italienischen Konzertideal mit einem lebhaften, virtuosen Eröffnungssatz, einem gesanglichen Adagio und einem finalen Satz voller tänzerischer Leichtigkeit. Die Solopartie verlangt Beweglichkeit, Atemkontrolle und feines Verzierungsgespür. Die Kunst liegt darin, Virtuosität und kantable Linienführung ausgewogen zu verbinden.
Ottorino Respighi: Antiche Arie e Danze – Suite Nr. 3
I. Anonymous: Italiana. Andantino
II. Jean-Baptiste Besard: Arie di corte. Andante cantabile
III. Anonymous: Siciliana. Andantino
IV. Lodovico Roncalli: Passacaglia. Maestoso – Vivace
Respighis dritte Suite aus den Antiche Arie e Danze (1931) basiert auf Lautenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts, die er nicht bloss überträgt, sondern kreativ neugestaltet. Die ausschliessliche Streicherbesetzung schafft eine intime, gedämpfte Klangwelt, in der historische Melodien in ein modern harmonisiertes, neoklassizistisches Gewand treten.
Respighi wahrt die Schlichtheit der überlieferten Melodien, erweitert sie aber durch reiche Harmonisierung, subtile Dissonanzen und raffinierte Klangfarben. Modale Skalen, pizzicatoartige Effekte und wechselnde Register verleihen den vier Sätzen eine poetische Mischung aus archaischer Ruhe und tänzerischer Bewegung.
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7, Op. 92
II. Allegretto
Der zweite Satz aus Beethovens Siebter zählt zu den eindrucksvollsten langsamen Sätzen der klassischen Sinfonik. Der ruhige, stetige Rhythmus bildet das Fundament, über dem sich thematische Schichten nach und nach verdichten, steigern und wieder zurücknehmen. Die Wirkung ist zugleich architektonisch klar und emotional überwältigend.
In der Streicherfassung treten Struktur, Rhythmus und Phrasierung besonders deutlich hervor. Die klangliche Reduktion verleiht dem Satz eine fast kammermusikalische Intensität, während die charakteristische Spannung und das schrittweise Aufleuchten der musikalischen Linien ungebrochen bleiben.
Über die Dirigentin und die Solistin
Genevieve Eckel, Dirigentin
Genevieve Eckel ist eine amerikanische Dirigentin und Komponistin mit Wohnsitz in Deutschland. Zu ihren jüngsten Projekten in Europa zählen die Mitarbeit an der #IGNITION-Reihe der Düsseldorfer Symphoniker, in der Videospielmusik in einem symphonischen Konzertformat präsentiert wird, orchestrale Arbeit mit dem WDR Funkhausorchester in Köln sowie kollaborative zeitgenössische Projekte mit der Sinfónica de la UCAM im spanischen Murcia. Durch ihren Hintergrund in Komposition und Orchestration legt sie besonderen Wert auf strukturelle Klarheit, Transparenz im Klangbild und präzise Ensemblearbeit. Ihre aktuellen Tätigkeiten umfassen symphonische Programme, zeitgenössische Konzertformate und intermediale Kooperationen, mit dem Ziel, etablierte Werke und neue künstlerische Stimmen in einen reflektierten Dialog zu bringen.
Dr. Roberta Michel, Flöte
Die in Brooklyn lebende Flötistin Roberta Michel widmet sich mit großer Leidenschaft der Musik unserer Zeit. Sie hat zahlreiche neue Werke in Auftrag gegeben und uraufgeführt und arbeitet eng mit bedeutenden Komponistinnen und Komponisten zusammen.
Sie ist Flötistin und Co-Direktorin des Wavefield Ensemble sowie Mitglied der Da Capo Chamber Players, PinkNoise und Duo RoMi. Darüber hinaus tritt sie regelmässig mit Ensembles wie dem Art Ensemble of Chicago, SEM Ensemble, Bang on a Can All-Stars und dem Ecce Ensemble auf.
Ihre Konzerttätigkeit führte sie an renommierte Spielstätten wie Lincoln Center, Carnegie Hall, Alice Tully Hall, The Kennedy Center, Roulette, Issue Project Room und das Metropolitan Museum of Art. Zahlreiche CD-Produktionen dokumentieren ihre breite künstlerische Tätigkeit; sie war zudem an der GRAMMY-prämierten Aufnahme von Ethel Smyths The Prison (2021) beteiligt.
Roberta Michel stammt aus Maine und studierte an der University of Colorado at Boulder und am SUNY-Purchase College. Am CUNY Graduate Center promovierte sie mit einer ausgezeichneten Dissertation über die Flötenmusik Salvatore Sciarrinos. Sie ist Assistant Teaching Professor of Flute an der Bowling Green State University und spielt eine Brannen-Flöte mit Mancke-Kopfstück.
Veranstaltungsort
Adresse
Königin-Luise-Kirche Waidmannslust
Bondickstraße 14
13469 Berlin